Wednesday, 8. september 2010 3 08 /09 /Sept. /2010 18:26

Jetzt habe ich lange nicht mehr geschrieben bzw. gebloggt, wie es neudeutsch heißt. Und nun melde ich mich gleich mit einer schweren Kost wie den "Problemen dieser Welt" zurück. Aber ich muss einfach mal einige Gedanken loswerden. Was sind die schwerwiegenden Probleme dieser Welt?

Jeder beurteilt das wohl für sich anders. Während in Pakistan Massen von Menschen sterben oder vor dem Nichts stehen, weil die Flut ihnen alles genommen hat, stürzt hierzulande die Welt ein bzw. werden die Grundfesten bis ins Mark erschüttert, wenn aufgrund von Erkrankung des Stammzustellers die Zeitung erst mittags geliefert wird. Mir vor paar Tagen passiert.

Als Ersatz für einen erkrankten Kollegen habe ich eine Tour, die ich nicht kannte, für die Ersatzzustellung der Tageszeitung vormittags übernommen. Dass der eine oder andere Fragen stellen würde, hatte ich erwartet. Aber dass sich die Zustelltour zu einem regelrechten Spießroutenlauf gestalten würde, das hat selbst mich, die mit allen Gehässigkeiten dieser Welt rechnet, erstaunt.

Ein ganzer Straßenzug - adrette Einfamilienhäuser, gepflegte Siedlung - war in Aufruhr. Überall gingen die Türen auf und Fragen wie "Was jetzt bringen Sie erst die Zeitung?" drangen an mein Ohr. Fast automatisch antwortete ich mit etwas wie: "Ja, der Kollege ist plötzlich erkrankt, da musste die Ersatzzustellung einspringen....". In der Hoffung, dass diese Erklärungen reichen würden, wollte ich weitermachen. Aber immer mehr Türen öffneten sich: "Warum sind Sie so spät? Wir warten schon auf unsere Zeitung." Eine ältere Dame war ganz lieb und hatte Verständnis. Während ich ihr kurz erklärte, was geschehen war, stürmte eine andere (jüngere) Dame auf meine Karre zu und riss sich eine Zeitung raus: "Ich darf doch mal eben. Kein Wunder, dass Sie so spät kommen, wenn sie nur am quatschen sind."

Das ließ ich nicht auf mir sitzen und brüllte ihr ein (kundenunfreundliches) "Immer mal menschlich bleiben. Wenn schon die Ersatzszustellung kommt, weil der Stammzusteller unerwartet ausfällt, muss die Möglichkeit drinsitzen, einer fragenden Kundin auch die Antwort zu geben, die sie braucht. Und ich bin hier nur der Depp, der es von allen Seiten von Menschen wie Ihnen abkriegt. Und ich kann am allerwenigsten dafür. Ich opfere meinen freien Samstag um überhaupt einzuspringen und muss mir hier sowas gefallen lassen." Ich war maßlos wütend. Die andere rauschte schnell ab und verschwand hinter ihrer Haustüre. Da ich ein lautes Organ hatte, mussten sich zwischenzeitig auch andere wieder still zurückgezogen haben, wissend, dass sie ihre Zeitung ja nun endlich bekommen würden.

Am liebsten hätte ich aber etwas ganz anderes gesagt, und ich ärgere mich, dass ich es mir aufgespart hatte. Deshalb folgt jetzt mein Plädoyer an alle, die wegen einer zu spät gelieferten Zeitung (wenn es dafür ernste, plausible Gründe gibt) durchdrehen:

 

"In Pakistan ertranken Menschen. Häuser wurden fortgerissen, wer es überlebt hatte, steht vor dem Nichts. Er hat nichts mehr zu erwarten, außer der Wahrscheinlichkeit, nun auch noch Opfer von Seuchen zu werden. In Deutschland machen provozierende Thesen zur Migration eine ganze Gruppe von Migranten pauschal zu angeblich Dummen. Überall in der Welt gibt es Hunger, Not und Elend. Tiere werden grausam und billig geschlachtet, nachdem sie zuvor unter unwürdigsten Bedingungen ein kurzes Dasein als Masttier in der Massentierhaltung fristen mussten. Manch einer steht vor dem finanziellen Ruin, weil seine Firma, bei der er 30 Jahre lang beschäftigt war, wegen Missmanagements in Insolvenz gehen musste und mittlerweile zerschlagen wurde. Jobverlust, Zukunftsängste, nicht mehr wissen wie es weitergeht. Das sind die wirklich wichtigen Probleme dieser Welt. Und jeder, der sich angesichts einer ausnahmsweise mal später gelieferten Zeitung aufregt lasse sich sagen: "Du, mein Freund, bist nicht der Nabel dieser Welt. Vielleicht der deinen, aber nicht der meinen! Wenn dein Problem eine zu spät gelieferte Tageszeitung ist, dann sei beglückwünscht, denn dann weißt du nicht, was Probleme sind. Und solltest du jemals echte Probleme kennengelernt haben, was ich bezweifle, dann würdest du dich wegen einer Zeitung, die ansonsten jeden Tag pünktlich in deinem Briefkasten steckt, nicht so dermaßen aufregen und deine beschissene heile Welt gerade einstürzen sehen." Das wären echte Antworten gewesen. Und jeder, der dieses Plädoyer liest, sollte auf die Seite gehen, damit er von dem Schwall meiner Kotze nicht getroffen wird, die sich gerade den Weg durch meinen Hals nach draußen bahnt, weil mir angesichts dieser spießigen Ignoranz schlecht wird."

 

So, nachdem ich virtuell gekotzt habe, fühle ich mich besser... und gleichsam doch wieder schlecht, weil ich weiß, dass Pakistan und politische Migrationsdebatten nur ein winziger Bruchteil aller Probleme dieser Welt sind, die aufzuzählen weder meine Zeit, noch der Platz hier in diesem Blog zulassen.

 

 

 

von Sigrun Hopfensperger
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Sunday, 29. march 2009 7 29 /03 /März /2009 10:40

Vom 20. März bis zum 27. März verbrachte ich eine Woche Urlaub auf der größten der Balearen-Inseln, auf Mallorca. Bislang war ich noch niemals zuvor in meinem Leben auf dieser Insel, obwohl ich durchaus schon viel herumgekommen bin, weil Mallorca für mich ein Synonym für "Ballermann", für besoffene grölende Massen und für Sangria aus Eimern war, ganz abgesehen von absolut schlechtem Benehmen und dem damit einhergehenden Fremdschämen, das sich meiner allsommerlich angesichts der Bilder im Fernsehen bemächtigt.

Nein, nach Mallorca würde ich niemals reisen. Niemals.

Nun ergab es sich aber, dass meine Mutter gerne eine Reise nach Mallorca machen wollte und mich bat, sie doch zu begleiten. Ich erfüllte ihr diesen Wunsch gerne. Was ich dann eine Woche lang erleben durfte, machte alle meine zuvor feste in mir verankerten Vorurteile zunichte und brachte mir eine wunderschöne Urlaubswoche.

Ich habe von über dreihundert gemachten Fotos zwanzig Eindrücke ausgewählt, die ich einfach unkommentiert für sich stehen lassen möchte. Sehen Sie selbst und lassen Sie sich von dieser schönen Insel verzaubern:








































Vielleicht löst das eine oder andere Bild Assoziationen in Ihnen aus und erinnert Sie an irgend etwas, oder es weist Ähnlichkeiten mit anderen Dingen auf.... Wer weiß. Ich habe so manches in den Motiven entdecken können, bevor ich fotografierte. Einen versteinerten Hai genauso wie einen Totenkopf.... Wer weiß, ob Sie dasselbe sehen wie ich.

Viel Freude weiterhin, Sigrun Hopfensperger
von Sigrun Hopfensperger
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Wednesday, 21. january 2009 3 21 /01 /Jan. /2009 10:48
Am Montag war endlich der große Tag, auf den ich mich solange gefreut hatte, gekommen. Ich fuhr nach Köln zur Tina Turner 50th Anniversary Tour.

Das Konzert fing an, die Halle verdunkelte sich, die Musik von Tina Turner zum vorherigen Einheizen kam vom Band, plötzlich mischten sich Gitarrenriffs darunter, die offenbar nicht mehr vom Band stammten, die Band hatte eingesetzt. Es waren die ersten Riffs zu "Steamy Window".

Der Vorhang öffnet sich, langsam, die Menge jubelt, es gibt ein gellendes Pfeifen, Schreien, Klatschen.

Da steht sie! Auf einem erhöhten Podest, wie eine Art Feuerwehrkran. Man sieht nur die Umrisse, dann schwenken die Spots allmählich auf sie, machen sie sichtbar.Das Podest fährt herunter, Tina schreitet auf die Bühne.

Schon die ersten Takte von "Steamy Window" lassen meine brennendste Frage beantworten: "Wird sie mit 70 immer noch die Kraft und Dynamik in der Stimme haben?"

Ja, sie hat. Und wie sie hat. Ich habe den Eindruck, ihre Stimme hat noch an Kraft hinzugewonnen.

Die zweite Frage, die mich zuvor beschäftigte, war: "Was wird sie anhaben?"

Sie trug eine hautenge, knielange Capri-Leggins mit glänzenden Pailletten und dazu ein gleiches Oberteil. Die Füße steckten - wie sollte es anders sein - in mindestens 12 Zentimeter hohen High Heels.

Das Konzert verlief über drei Stunden. Sie brachte Musik aus ihrer mittlerweile fünfzigjährigen Musikkarriere. Sie wechselte mehrfach ihr Outfit, u.a. ein knallenges rotes, glitzenrndes Minikleid. Zwei bodenlange, weite, flatternde Abendkleider dienten ihr auch dazu, Themen einzuleiten, um es, nach gesteigertem Tempo und Rhythmus, mit einem gekonnten Handgriff vom Leibe zu reißen und ihr darunter liegendes Minikleid (wie schon erwähnt einmal rot, einmal schwarz) zum Vorschein zu bringen.

Der Jubel wollte nicht verstummen. Wir bewunderten sie. Ihre Figur, so knackig und sexy wie immer, ihre Beine, makellos und schön.... Diese Frau ist einfach nur der Hammer!

Sie durchlief musikalisch Stationen aus ihrer Zeit mit Ike Turner, aus ihrer grandiosen Comeback-Zeit 1981 ("What's love got to do with it"), aus ihrem Filmerfolg Mad Max, zu dem sie dasselbe Outfit trug wie im Film und nebst passender Kulisse aus ihrer James-Bond-Golden-Eye-Zeit.

Einmal gönnte sie sich eine halbe Stunde Pause, wobei ich aber eher glaube, dass diese Pause für die Bühnenbildner gedacht war, als für sie selbst. Sie schien unermüdlich zu sein.

Als sie sich verabschiedete, meinte meine Freundin: "Das war's."

Klar, wir rechneten noch mit Zugaben. Aber ich wusste, sie würde "mein Lied" in der Zugabe bringen: "Nutbush City Limits"

Die Halle tobte, der Applaus, das Jubeln und Pfeifen rissen nicht ab. Plötzlich kamen die Musiker zurück. Der Jubel erhob sich nochmals zu einem Höhepunkt.

Dann kam sie zurück, diesmal in scharzer Leggins mit weißer Bluse. Die Riffs der Gitarre nahmen einen charakteristischen Klang an, da war es, mein Lied.

Zu "Nutbush" schwenkte sie über einem Metallgestell über den Köpfen der Zuschauer hin und her, es war grandios.

Der letzte Applaus schien nicht verebben zu wollen. Sie stand dort, ihr Gesicht spiegelte Freude und Zufriedenheit wieder. Und ich dachte nur: "Genieße es, du hast es verdient."

Dann war das Konzert zuende. Ich spürte ihre omnipräsente Jugend und Dynamik. Was war ihr Geheimnis?

Und da fiel mir die Antwort wie Schuppen von den Augen:

Das Geheimnis fortwährender Jugend ist in der tiefen und aufrichtigen Liebe zur persönlichen Lebensentwicklung zu finden. (gewidmet Tina Turner)

Sie stand zu ihrem Leben mit allen Höhen und Tiefen. Sie stand dazu und ging konsequent ihren Weg. Das Geheimnis ist "Lebensbejahung", nämlich auch "Ja" zu sagen zu den negativen Tendenzen, die ein Menschenleben mit sich bringt. Und das machen viele Menschen verkehrt. Sie wollen nur das Angenehme, streben nach Lust, Erfüllung.... Aber die Erfüllung stellt sich im Ganzheitlichen Denken ein. Und wahre Erfüllung, innerer Reichtum, ist ein Jugendelixir, wie man an ihr unschwer erkennen kann.

Ich wünsche uns noch viele gemeinsame musikalischen Jahre mit Tina.

von Sigrun Hopfensperger
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Thursday, 8. january 2009 4 08 /01 /Jan. /2009 19:22
Ich bin stolze Besitzerin zweier Kätzchen, die - seitdem sie bei mir sind - mein Leben rund herum auf den Kopf gestellt haben.
So quirlig und temperamentvoll sie auch sind - und sie sparen nicht damit, sich immer wieder neue Streiche auszuhecken, die sie mir spielen können - sie sind mein Ein und Alles.

Eines kann man von diesen beiden wirklich absolut niedlichen Tierchen, wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann, lernen: völlige Hingabe.




Die linke ist meine Dickie, die rechte meine kleine, freche Abraxa. Da waren sie noch ganz klein. Mittlerweile sind sie fast sieben Monate alt und schon gut gewachsen.

Wie man von den beiden, die Geschwisterchen sind und sich völlig lieb haben, vollkommene Hingabe lernen kann, erfährt man, sobald man gesehen hat, wie die beiden sich gegenseitig putzen.

Da würde jedes Wort stören. Das muss man auf sich wirken lassen:


Hat man eine solche Hingabe schon einmal gesehen, etwa bei uns Menschen? Wohl kaum. Alles um sich herum vergessend, widmen sie sich nur ihrer Zuneigung.

von Sigrun Hopfensperger
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Tuesday, 6. january 2009 2 06 /01 /Jan. /2009 19:51
Auf diese Frage, zugegeben, kann ich nur Antwort für mich selbst geben.

Entstehen Aphorismen plötzlich im Inneren wie Erleuchtungen oder sind sie gedanklich genau durchdacht und konstruiert?

Auf mich, so kann ich sagen, trifft beides zu, eine Mischung aus beidem. Ich sehe ein Thema, bei dem ich plötzlich einen Drang verspüre, einen Aphorismus zu schreiben.
Dann denke ich über dieses Thema nach und konstruiere einige Versuche zu einem Aphorismus. Immer wieder überarbeite ich die Versuche, bis ich den Aphorismus erhalte, den ich dann haben will und veröffentliche.

Manchmal ist aber auch schon ein Aphorismus in mir, der sich hervorarbeitet und niedergeschrieben werden will. Dann versuche ich, diesem eine bestimmte thematische Richtung zu geben und ihn durch einige Wortanpassungen dem Thema anzugleichen.

Nehmen wir meinen neuesten Aphorismus vom 6.1.2009:

Wunsch und Absicht unterscheiden sich darin, dass der Wunsch rein gedanklich bleibt, während die Absicht mit Handlungswillen verknüpfter Gedanke ist.

Dieser Aphorismus ist geplant und konstruiert. Er bezieht sich auf ein Thema, das wir im Seminar an der Uni bearbeiteten. Die Philosophin Margaret Anscombe vertrat in ihrem Werk Intention die These, dass "nur die Absicht, nicht ein bloßer Wunsch [.] Handlung hervor[bringt]", wie Marit Rullmann sie in ihrem Werk Philosophinnen II zitiert (S.148)

Unsere geschätzte Dozentin regte eine Diskussion an, indem sie darüber berichtete, dass oftmals Studierende die Meinung verträten, auch der Wunsch könne bereits Handlung folgen lassen, der Wunsch sei Basis von allem. Damit haben sie nicht Unrecht. Ich denke, das Problem ist ein terminologisches. Es kommt ganz darauf an, wie klar man die Begriffe voneinander abgrenzt und sie definiert. Dabei ist Wunsch in der Terminologie Anscombes mit Sicherheit anders definiert als im allgemeinen Sprachgebrauch.

Im allgemeinen Sprachgebrauch vermischen sich Wunsch und Absicht oftmals, d.h. sie werden vielfach synonym verwandt.

Wenn man aber klarer differenziert, dann wird man erkennen, dass Wunsch und Absicht nicht dasselbe sind. Absicht ist konkreter, zielgerichteter, der Wunsch vorerst allgemein und vage. Er geht allem voraus. Zuerst ist der Wunsch, daraus konstituiert sich die Absicht, denn sie hat etwas teleologisches, d.h. sie ist zweckgerichtet. Und nur daraus kann eine Handlung hervorgebracht werden. ich gehe da mit Anscombe völlig konform.

Und wie ich so im Seminar über dieses Thema sinniere, sehe ich den Satz vor mir, der diese klare Abgrenzung enthält und alles in Kürze auf den Punkt bringt. Der Aphorismus dazu war "geboren".

Manchmal geht es mir so, dass ich viele Gedanken zu einem Thema habe und mich selbst dazu bringe, das ganze auf den kürzestmöglichen Nenner zu bringen und den Inhalt in seinem Kern in einen Satz  zusammenzufassen. So entstehen meine Aphorismen.




von Sigrun Hopfensperger
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