Saturday, 3. january 2009 6 03 /01 /Jan. /2009 21:27
Heute Abend sah ich die Sendung über "heimliche Helfer", wo sich gutsituierte Menschen undercover in soziale Brennpunkte einschleusen lassen, um dann am Ende finanziell und anderweitig materiell zu helfen.

Das hat mich tief berührt.

Selbst wenn ich alle Sendungs-PR-Strategien abziehe, die im Vorfeld geplant sind, um auf die Tränendrüse der Zuschauer zu drücken, selbst wenn ich eingestehe, dass diese Art von Sendungen nur dazu konzipiert wurden, um mit (Mit-)Gefühl Quote zu machen, muss ich dennoch sagen, dass mich der Gedanke, der dahinter steht, wirklich sehr, sehr berührt hat.

Das sollte Schule machen:

Finanziell Unabhängige und Wohlgestellte sollten sich die "Welt da unten" einmal

hautnah ansehen, richtig darin eintauchen, und dann verstehen lernen, wie es ist, arm zu sein.

Was bedeutet "arm" sein?

"Arm" sein bedeutet zunächst einmal ganz platt: kein Geld zu haben, Geld für nichts.

Vielleicht mag man mit den Hartz IV - Sätzen überleben, d.h. halbwegs ausreichend essen können und sich auf einfachste Weise kleiden, aber es fehlt an allem anderen, was die menschliche Würde ausmacht: Freiheit!

Arme Menschen haben zwar viele Träume, aber keine Freiheit mehr zu entscheiden, was sie tun wollen. Für einen Hartz IV-Empfänger stellt sich die Frage nicht, ob er die Nudeln von "Barilla" oder "Birkel" lieber mag, er kann nur "Gut und günstig" kaufen.

Frisches Gemüse und Obst ist heutzutage zu einem Luxusprodukt geworden, das beinahe teurer ist als alles andere. Vitaminreiche Frischkost sitzt da nicht immer drin.

Ich kann davon ein Lied singen, denn mir ging es eine Weile finanziell überhaupt nicht gut. Um mein Studium (ich bin Spätstudierende) zu finanzieren, ging ich arbeiten. Mein geringer Verdienst reichte gerade für Miete, Studiengebühren und die Abgeltung privater Verpflichtungen, die zu diesem Zeitpunkt noch bestanden hatten. Manchmal war keinerlei Geld für Essen übrig. Essen wurde zu einer unregelmäßigen und unausgewogenen Sache. Tagelang Nudeln in allen Varianten: Mit Soße, gebraten ohne, mit Maggi usw., kein Obst und Gemüse, weil zu teuer, jeden Tag gab es Fleisch bzw. Wurst aufs Brot, weil das erheblich billiger zu kaufen ist als Käse und Gemüse.

Nun, von mir hier zu plaudern liegt mir fern, aber ich kenne das finanzielle "Ganz-Unten" in- und auswendig.

Finanzielle Armut führt zu einseitiger Ernährung. Das Problem ist nicht, gar nichts zu essen, sondern unabwechslungsreich nur das essen zu können, was der Geldbeutel gerade zulässt. Und ich bin davon überzeugt, dass diese Form der unregelmäßigen, unausgewogenen Ernährung zu dieser enormen Gewichtzunahme bei mir geführt hat. Ich kann dies nur mutmaßen, bin weder Ärztin, noch Biologin. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ein einseitiges und unausgewogenes Ernährungprogramm den Körper dazu bringt, auf "Sparflamme" zu schalten, quasi auf "Notprogramm", wie in schlechten Zeiten üblich und alles, aber auch wirklich jede einzelne Kalorie, die ihm zugeführt wird, ins Depot zu stecken. Das würde erklären, warum es gerade in der unteren Schicht derart viele übergewichtige Menschen gibt.

Ich glaube nicht, dass alle zu viel essen, zu ungesund (das mag es durchaus auch geben), sondern dass selbst diejenigen, die sich um eine halbwegs abwechslungsreiche Ernährung bemühen, daran scheitern müssen, dass sie sich die wirklich gesunde Abwechslung schlicht nicht leisten können und daher auf stete Wiederholungen zurückgreifen müssen.

Mich hat heute bei dieser Sendung bewegt, dass arme Hartz IV-Empfänger, die selbst nicht viel zum Leben haben, sich so sehr ehrenamtlich für andere Menschen engagieren, denen es ihrer Meinung noch weit schlechter geht.

Und dann kommt mir diese zynische politische Debatte vom letzten Jahr wieder in den Sinn, wo gefordert wurde, dass alle Hartz IV-Empfänger, die Kraft für ein Ehrenamt hätten, diese doch vorzugsweise in eine berufliche Tätigkeit investieren sollten.

Da wurden Menschen, die sich ein wenig Menschenwürde trotz ihrer langfristigen Arbeitslosigkeit erhalten wollten, indem sie ehrenamtlich (man mache sich das deutlich: ohne Bezahlung!!!) für andere Menschen und soziale Projekte arbeiteten, diffamiert und als arbeitsfaul hingestellt, als ob sie keine Lust zu arbeiten hätten.

Als ob die Job-Knappheit eine Frage der Lust wäre.

Ich glaube, dass die Mehrzahl der Hartz IV-Empfänger äußerst unzufrieden mit ihrer Situation sind und liebend gerne einer bezahlten Tätigkeit nachgingen. Und ich glaube auch, dass das Engagement im Ehrenamt eine Möglichkeit für diese Menschen ist, abends mit Würde ins Bett zu gehen und das Gefühl zu haben, nicht nur Almosen-Empfänger zu sein, sondern etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu können.

Dieses Gefühl ist sehr wichtig, für jeden Menschen.

Reiche Menschen, zumindest der Großteil von ihnen, wissen das und sie engagieren sich selbst zahlreich in sozialen Projekten, spenden, stiften und so weiter.
Reiche Menschen teilen ein Stück ihres finanziellen Erfolges mit denen, die nicht so gut gestellt sind.
Reiche Menschen können sich großzügiges Engagement leisten und sie geben gerne.

Natürlich gibt es jene Gierigen, die nur an ihren Vorteil denken. Man denke da nur an jene Investmentbanker weltweit, denen wir jetzt die globale Pleite zu verdanken haben. Auch die gibt es, nicht wenige davon. Aber sie sind nicht Stellvertreter für alle "Reichen". Sie sind nur die "Reichen auf der Schattenseite", wie ich sie hier mal nennen möchte.

Die "Reichen auf der Sonnenseite" wissen zu teilen und sie machen gerne davon Gebrauch.

Der Unternehmer aus der heutigen Sendung war tief berührt von dem sozialen Engagement der Hartz IV-Empfänger und unterstützte sie mit seinem Geld und diversen Sachleistungen.

Wir alle sollten einmal darüber nachdenken und uns wieder auf die Werte des Mitfühlens und Teilens besinnen. Finanziell nicht herausragend gestellte Menschen haben ihre Zeit und vor allem ihr Herz, das sie teilen können, reiche Menschen darüber hinausgehend ihr Geld.

Ob ich Zeit und Mitgefühl teile oder Geld, eines ist Voraussetzung: die Freiwilligkeit!

Teilen macht nur dann Freude und bereichert alle Parteien, wenn es freiwillig geschieht. Daher lehne ich die Forderung mancher politischer Linken auf Zwangsenteignung von Reichen strikt ab. Es nützt nichts, reichen Menschen ihren Reichtum mit Gewalt wegzunehmen. Das mag vielleicht jene, die derzeit gar nichts haben, befriedigen, aber nur kurzfristig.

Langfristig kann sich nur dann eine tiefe Befriedigung einstellen, wenn Menschen von Herzen geben und empfangen können. Und daran können wir alle mitarbeiten.

Wir alle können in dieser Welt ein wenig mehr Menschlichkeit verbreiten, alle zusammen!

Und wir sollten es uns zu unserer obersten Prämisse zu Beginn des neuen Jahrres machen, jeder für sich auf seine Weise Menschlichkeit zu verbreiten mit den Mitteln, die ihm gerade zur Verfügung stehen. Und es soll nicht gegeneinander ab- und aufgewogen werden, wer materiell was und wie viel leistet, sondern jede einzelne Leistung zählt und sei es nur ein freundliches Lächeln unseren Mitmenschen gegenüber, das aus tiefstem Herzen kommt.
von Sigrun Hopfensperger
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Saturday, 3. january 2009 6 03 /01 /Jan. /2009 12:29
Wer kennt das nicht, sich am Silvesterabend gute Vorsätze vorzunehmen, die man garantiert im neuen Jahr umsetzen will?

Nun, für dieses Jahr habe ich mir zweierlei vorgenommen:

1.) Mein Studium erfolgreich abschließen

2.) Abnehmen

Ja, ich bin entschieden zu schwer geworden. Nun, ein "leichtes Mädchen" war ich noch nie, aber so viel wie jetzt wog ich auch noch nie. Die Gewichtsangabe erspare ich mir hier, schließlich fragt man Damen nicht nach dem Alter, noch viel weniger nach dem Gewicht.

Fakt ist. Die Pfunde müssen runter, und zwar drastisch!

Ich habe schon einiges an Pillchen durchprobiert, auch cremte ich meine Speckschwarte regelmäßig mit einer Paste ein, die das Fett angeblich direkt wegschmilzt, aber der Speck beschloss, mich auch noch über diesen Winter zu bringen, treu und anhänglich wie er ist.

Nun mache ich eine Fastenkur mit Unterstützung eines Apothekenproduktes, das ich hier aus Gründen der Schleichwerbung nicht nenne, das aber bekannt sein dürfte. Diese Diät verspricht Forschungsstudien einer Universität gemäß wirklich wirksam zu sein, weil sie den Stoffwechsel verändert und direkt die Fettverbrennung anregt.

Jetzt habe ich lautstark am Silvesterabend mein Vorhaben vor Zeugen angekündigt, jetzt muss ich auch ran. Jetzt müssen Taten folgen.

Am Neujahrstag habe ich meine fürs Nächste letzte feste Mahlzeit zu mir genommen: Fondue-Resteessen bei Freunden und den obligaten Neujahrs-Krapfen/Berliner/Pfannkuchen (wie immer man es nennen möchte).

Und dann nahte er heran, der 2. Januar, der Tag, an dem meine Diät beginnen sollte.

Ich stand pünktlich um 5.00 Uhr morgens auf und ging um sechs Uhr ins Fitnessstudio, das ich mit meiner Anwesenheit bereits seit Monaten nicht mehr beglückt hatte, lediglich deren Konto mit meinen Beiträgen gefüllt.  Ich stand sonst nie um 5.00 Uhr auf, wenn nicht irgendwas Wichtiges anlag. Gott bewahre, ich bin Studentin.... Wann steht der gemeine Student in der Regel so auf? Das gilt auch für Spät-Studierende, die sich erst in fortgeschrittenem Alter an die Uni begeben.
So war ich wach, absolut knötterig und quälte mich aus dem Bett. Ich hatte es gesagt, so musste es sein. Und was man sagt, muss man einhalte.

So erging es mir erst in der Weihnachtswoche, die ich mit Freunden und mit meiner Mutter am Ijsselmeer verbrachte. Wir hatte ein Ferienhaus, das direkten Wasserzugang hatte. Und in meinem Übereifer versprach ich, einmal in der Zeit ins Wasser zu gehen. Hatte den Mund recht voll genommen. Aber ich stehe zu meinem Wort. Und so ging ich mitten im Dezember in einem Ausläufer des Ijsselmeeres baden, brrrrrrrr.

Aber ich habe es getan! Ich stehe zu meinem Wort. Und so halte ich es auch mit meiner Diät.
Was man sagt, muss man tun.

So ging es am 2. Januar wie gesagt los. Im Studio war ich also schon mal. Das tat sogar richtig gut.

Nun musste ich mit der Fastenkur beginnen. Und was macht man vor Beginn einer Fastenkur gewöhnlich?

Richtig, Darm entleeren.

Das ist wohl das fieseste, das man sich vorstellen kann. Man nehme einen halben Liter lauwarmes Wasser und mische etwa drei Esslöffel Glauber-Salz darunter.

Und dann heißt es nur noch Augen zu und runter mit der Ekel-Plörre!!!

Ich weiß nicht, was fieser ist: C-Promi im Dschungelcamp zu sein oder Glauber-Salz zu trinken. Ich stelle beides auf eine Stufe. Aber: Wer schlank sein will, muss leiden.

Eine halbe Stunde später war die Wirkung dann auch recht durchschlagend und ich konnte endlich mit meinem Frühstück beginnen. Nun stelle man sich darunter nicht irgendwie etwas krosses und leckeres vor, sondern Frühstück heißt: Pulver in 250 ml Wasser aufgelöst trinken. Das soll mein Frühstück für die nächsten zwei Wochen werden und Mittagessen und, man ahnt es schon: Abendessen auch.

Dazwischen gibt es dann Gemüsebrühe und zwei bis drei Liter Wasser.

Das heißt, ich ernähre mich vorerst flüssig.

Nun, es reinigt, entschlackt, fördert den Stoffwechsel und lässt die Pfunde schmilzen. Auf die Startphase folgt eine Reduktionsphase, in der man eine feste Mahlzeit zu sich nehmen darf und nur die anderen beiden Hauptmahlzeiten durch Flüssigpulver ersetzt. Nach der Reduktionsphase kommt einer Stabilitätsphase und last but not least wechselt man in die Lebensphase über, d.h. man hat dauerhaft seinen Stoffwechsel umgestellt. So wird es zumindest versprochen.

Dazu muss man einfach nur durchhalten und das wird nicht einfach, wie ich bereits zum "Mittagessen" spürte. Mir knurrte der Magen. Der Darm war leer, forderte was zu tun und über den Magen kam kein handfester Nachschub rein. Da muss man einfach knurren.

Ich las mir nochmals die Gebrauchsaanleitung durch: Da stand wirklich: Der Trunk macht schnell satt.

Von wegen. Da macht nix satt, ich habe Hunger und Visionen von leckeren Braten, Suppen, Butterbroten, und allem Möglichen. Das fängt ja schon gut an. Ich möchte ja jetzt schon umkippen. Aber nein, ich bleibe standhaft. Ich schaue fern, quäle mich auf der Couch rum und warte auf "Abendessen-Zeit". Wieder schlucke ich mein Gesund-Pülverchen, aber satt macht es noch immer nicht. Mag ja sein, dass es am ersten Tag liegt, weil mein Körper noch feste Nahrung gewohnt ist und sich erst noch umstellen muss.

Und im Fernsehen läuft die ganze Zeit Werbung von Bratnudeln, Pizza, Maggi-Kochstudio, .... und jetzt essen sie auch noch im Film, ich schalte mal um. Da kommt ein netter Film auf 3Sat "Tafelspitz". Es geht um eine Meisterköchin, die die leckersten Esssen zaubert und in Amerika die Liebe ihres Lebens trifft, so ne Cinderella-Story.... Ich muss Masochistin sein, mir so etwas anzusehen....

Und das soll ich jetzt vierzehn Tage machen? Sieht so aus.... Aber wenn ich es nicht durchziehe, werde ich nie erfahren, ob es wirkt. Also, weiter geht's! Aber erst mal ab ins Bett und den nächsten Tag herbeigesehnt....
von Sigrun Hopfensperger
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